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IRONMAN 70.3 Rapperswil: ein kurzes Comeback

Fünf eigentlich sechs Jahre. So lange ist unser letzter kompetitiver Mitteldistanz-Triathlon her. Dazwischen lagen zwei Jahre Weltreise mit dem Velo, ein Ausflug ins Trailrunning – und jetzt, scheinbar aus dem Nichts, wieder ein IRONMAN 70.3. Wer uns länger kennt, fragt sich vielleicht: wieso jetzt doch wieder? Die Antwort hat mit Aussteigen, Reisen und einer Diagnose zu tun – und damit, was am Ende wirklich zählt.

Check-in beim IRONMAN 70.3 Rapperswil
Check-in beim IRONMAN 70.3 Rapperswil

Wie alles begann

Früher haben wir Triathlon ziemlich ernst genommen. Mit Coach, diszipliniert, jedes Training auf ein Ziel ausgerichtet. Das hat unserem Alltag eine klare Struktur gegeben. Lange war das genau richtig – bis es das irgendwann nicht mehr war.

 

Der Ausstieg

Dann kam Covid. Wettkämpfe wurden abgesagt, niemand wusste, wie die nächsten Monate aussehen würden. Es war eine Zeit, in der viele Menschen ihr Leben hinterfragt haben, und wir waren keine Ausnahme. Uns wurde klar: wir waren müde. Müde vom Job, vom Training, vom Schweizer Standardleben.

 

Also haben wir einen neuen Plan geschmiedet – einen, in dem Triathlon keinen Platz hatte. Wir verkauften nicht nur das ganze Triathlon-Material, sondern eigentlich alles und verliessen die Schweiz auf unbestimmte Zeit. Ziel: die Welt mit dem Velo entdecken.

Mit dem Velo um die Welt

Zwei Jahre waren wir unterwegs. Diese Zeit hat vieles in uns verändert. Man bekommt eine andere Sicht auf das, was wirklich wichtig ist, eine andere Weltansicht. Man wird neugieriger, mutiger, zufriedener, weniger gierig, verständnisvoller, ruhiger und fokussierter.

Und eines wurde dabei klar: das strukturierte Training, der ganze Triathlon-Lifestyle von früher – das würde nach der Rückkehr nicht mehr unser Fokus sein. Die damals investierte Zeit wollten wir für andere Sachen im Leben einplanen. Schwimmen, Velo, Laufen mochten wir aber immer noch sehr gern, einzeln, ohne den Druck, just for fun.

Trailrunning & Diagnose

Ganz ohne Sport ging's für uns natürlich nicht. Also haben wir nach einer Alternative gesucht – wenig Aufwand, aber mit Abenteuer-Faktor. Trailrunning schien perfekt. Wir sind als Newbies eingestiegen, haben in den Sport und die Community reingeschnuppert und uns für erste Races im 2025 angemeldet. Mitten in dieser neuen Trailrunning-Phase kamen bei mir gesundheitliche Probleme und dann die Diagnose: eine Autoimmunkrankheit. Die während einer Schubphase gewisse Einschränkungen mit sich bringt: z.B. sich während dieser Phase nicht über 1'500 Meter über Meer aufzuhalten. Für unsere Trailrunning-Pläne war das ein ziemlicher Dämpfer und natürlich in der Phase einen Show-Stopper.

Back to the roots

Also: was jetzt? Unser Ziel war, wieder auf ein Fitnesslevel zu kommen, das nahe an dem von früher liegt. Und dann lag die Antwort plötzlich näher, als wir dachten: wieso nicht zurück zu dem, was wir am besten kennen? Ein Restart im Triathlon.

Diesmal aber anders. Ohne Coach, nicht annähernd so diszipliniert und fokussiert wie früher. Aber wir brauchen etwas Druck von aussen, um das Ziel zu erreichen – sprich einen Wettkampf. Der Aufwand und die damit verbundenen Kosten müssen aber etwas kontrolliert bleiben. Der IRONMAN 70.3 Rapperswil schien da ideal: wir kennen das Race, und es liegt direkt vor der Haustür.

Race in Rapperswil

Letzte Woche war es dann so weit: der IRONMAN 70.3 Rapperswil. Wir haben unser Ziel erreicht, sind mit einer für unsere Aufbauzeit soliden Zeit angekommen. Und genau hier zeigt sich für uns auch, wieso dieses Comeback erstmal ein einmaliges bleibt. Würden wir mit IRONMAN 70.3 weitermachen, würden wir automatisch wieder in alte Muster zurückfallen und das Preis-Leistungs-Verhältnis von zusätzlichem, intensiverem Training stimmt für uns einfach nicht mehr. Dazu kommt: der Glamour rund um die Marke IRONMAN hat für uns etwas abgenommen, auch weil sich unsere Weltansichten in dieser Hinsicht verändert haben.

 

Training gehört nach wie vor zu unserem Leben, aber unser Anspruch hat sich verschoben: der Adventure- und Fun-Charakter steht im Vordergrund, auch wenn die Qualität eines geplanten Trainings darunter leidet. Die Zeiten, in denen wir uns an schnellen Intervallen und einem perfekt umgesetzten Trainingsplan – konsequent auf ein Ziel hin – befriedigt haben, liegen in der Vergangenheit und passen nicht mehr zu unserem aktuellen Leben und unseren Vorstellungen.

Was bleibt & was zählt?

Die initiale Investition hat sich aber doch für uns gelohnt – um wieder nahe an unser ursprüngliches Fitnesslevel zu kommen. Jetzt gilt es, dieses Level zu halten und etwas Neues daraus zu machen. Vermutlich in anderen Raceformaten oder an anderen Orten, wo wieder mehr Abenteuer im Vordergrund steht – und wo wir wieder neue Orte auf der Welt entdecken können.

 

In den nächsten Monaten gilt unser Fokus aber vor allem unseren Jobs. Dazwischen stehen ein paar kleinere Wettkämpfe an und im Herbst wartet bereits ein neues Abenteuer – auf das wir uns schon jetzt freuen. Bis dahin geniessen wir einfach den Sommer und die Trainings.

 

Für uns zählt am Ende vor allem eines: zufrieden zu sein mit dem, was man erreicht hat – statt sofort wieder nach mehr zu schauen. Anzuerkennen, dass man genau dort, wo man gerade steht, richtig ist, und Raum für Veränderung zu lassen. Diese Erkenntnis hat sich vor allem auf unserer Weltreise mit dem Velo eingeschlichen, und seither sind wir laufend daran, sie auch wirklich zu leben. Einfach ist das nicht – und auch dieser IRONMAN war wieder so ein Moment, in dem die Versuchung da war, ins alte Schema zurückzufallen und sich mit früher zu vergleichen. Wir sind in der Schweiz aufgewachsen, wo "mehr" und "besser" nach wie vor der gängige Massstab sind – das für uns zu verlernen, ist ein Prozess, der uns wohl das ganze Leben begleiten wird.

 

"Das Leben ist zu kurz, um immer dasselbe zu tun. Mutig und neugierig bleiben, um Neues zu entdecken – darum geht es, immer wieder neue Geschichten zu schreiben."

 

Danke IRONMAN 70.3 Rapperswil für diesen Abschnitt!!

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